In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bildet sich im Osten Deutschlands ein Nährboden für intensive künstlerische Auseinandersetzungen auf dem Gebiet der Musik heraus. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen im Ganzen, (kultur)politische Vorgaben im Besonderen lassen starke Reibungsflächen für ein problembewusstes, aussageorientiertes und publikumsbezogenes Komponieren entstehen. In dieser historischen Konstellation entstehen in insgesamt vier Generationen künstlerisch ambitionierte, ästhetisch vielschichtige Tonschöpfungen.

»DDR-Musik« zu schreiben ist weder Anspruch noch Wirklichkeit der etwa 200 Komponisten und Komponistinnen aus dem sozialistischen Teil Deutschlands. Zwischen sinfonischen und Instrumental-Werken, Opern- und Filmmusik, Liederzyklen und experimentellen Formen artikulieren sie selbstbewusst ihren Anspruch auf künstlerisches Neuerertum: universell und überzeitlich gültig zu sein. So entstehen vielfach, nicht immer, Selbstbehauptungen ästhetischer Freiheit im geteilten Deutschland – in einer eigenständigen Musikkultur, die von ihrer Aussagekraft bis heute nichts verloren hat.

Diese musikalische Moderne und Avantgarde aus der Mitte Deutschlands schöpft ihre Inspiration aus einer reichen Musiktradition, die auch in Mitteldeutschland wurzelt. Künstlerische Könnerschaft erschließt sich vielen Komponisten über profunde Ausbildung ebenso wie über die Kenntnis der im internationalen Musikschaffen der Zeit gängigen musikalischen Ausdrucksmittel und avancierten Formen. Zeitgenössischen Widerhall findet die Mehrzahl der Werke ostdeutscher Neuer Musik indes mehr beim heimischen Publikum als beim westlichen Nachbarn BRD.

Das kulturelle Erbe unzähliger zeitgenössischer Kompositionen der DDR-Musikszene aus gut vier Jahrzehnten ist ein gesamtdeutscher Schatz unstrittigen künstlerischen Ranges. Im Konzertbetrieb weitgehend ausgeblendet, auf dem musikalischen Markt rar oder vergriffen, hat ein Großteil der Werke noch kein Publikum gefunden. Punktuellen Renaissancen einzelner Ost-Komponisten steht die Dominanz eines einseitigen Wahrnehmungsmusters gegenüber, in dem Neue Musik aus Ostdeutschland keine spürbare Rolle spielt. Setzt dieser Prozess sich fort, droht zahlreichen Werken das Schicksal, unerhört durch die Hintertür der neueren Musikgeschichte zu verschwinden.

Der Musikkulturverein Mitteldeutschland widmet sich in einem zentralen Projektbereich der Wieder- und teilweisen Erstentdeckung ostdeutscher Komponisten und Werke der Gegenwartsmusik aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ziel ist es, dieses große Feld unfreiwillig stiller Musik der breiten öffentlichen Wahrnehmung zu erschließen und dauerhaft unüberhörbar zu machen. Hierbei gilt es die historische Chance zu ergreifen, noch aktive Komponisten als Zeitzeugen zu gewinnen und einzubinden.

Komponistenporträts in Aufführungen und Darstellungen, die Bereitstellung einer Mediathek und das Zusammenbringen von Komponisten und Dirigenten, Ensembles und Solisten, Musikverlagen und Veranstaltungsorten sind Schwerpunkte der vom Verein initiierten Arbeit. Sie versteht sich als einer von vielen noch benötigten Mosaikbausteinen für ein sachgerechteres Gesamtbild der DDR-Musikszene.

Unterstützen Sie unsere und verwandte Initiativen für die stärkere öffentliche Wahrnehmung zeitgenössischer Musik aus der ehemaligen DDR. Wirken Sie mit im Netzwerk dieses Projekts. Sprechen Sie uns an.

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