Paul-Heinz Dittrich (1930-2020)

„So hat sich Dittrich in wahrhaft Goetheschem Sinne entwickelt: Von außen angeregt, aber von innen heraus entfaltet. Hier setzt einer nicht selbstherrlich seine Imaginationen ins Werk, sondern hört zu, wägt ab, prüft und findet dann Töne von einer Verbindlichkeit, Schönheit und stilistischen Strenge, die heute ihresgleichen sucht.“
Mit diesen Worten erfasste ein Rezensent zu Paul-Heinz Dittrichs 80. Geburtstag die Eigenart des Komponierens dieses Avantgarden aus der DDR, der zeitlebens nicht nur mit den unterschiedlichen Systemen des Komponierens rang für den höchsten künstlerischen Ausdruck, sondern als Komponist und Mensch auch zwischen den Systemen der beiden getrennten deutschen Staaten seinen Weg finden musste.

Ein Blick auf seine biographische Entwicklung, wie er sie auf seiner eigenen Internetseite rekapitulierte:
Geboren wurde Dittrich am 4.12. 1930 im ergebirgischen Gornsdorf. Er studierte von 1951 bis 1956 an der Musikhochschule in Leipzig und von 1958 bis 1960 als Meisterschüler von Rudolf Wagner-Régeny an der Deutschen Akademie der Künste zu Berlin. Von 1960 bis 1976 unterrichtete er an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Tonsatz, Gehörbildung Kontrapunkt und Formenlehre. Nach 1976 bis 1990 war er als freischaffender Komponist tätig. 1978 wurde er Professor für Komposition und wirkte als Gastprofessor in Freiburg/Breisgau, Los Angeles, Paris und Köln. Von 1983 bis 1991 bildete er Meisterschüler an der Akademie der Künste in Berlin aus. In den Jahren 1981 und 1987 war Dittrich „scholar in residence“ der Rockefeller-Foundation in Bellagio/Italien.

Von 1990 bis 2002 war Dittrich Professor für Komposition an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin. In diesem Zeitraum wirkte er auch als Gastprofessor an der Daegu Universität/Südkorea, an der Samuel Rubin Academy in Tel Aviv und an der Hebrew-University in Jerusalem/Israel, sowie auch in St. Petersburg und Moskau.

Dittrich arbeitete in verschiedenen Elektronischen Studios: in der Schweiz, in Warschau, in Köln und am Pariser IRCAM. 1991 gründete Dittrich das Brandenburgische Colloquium für Neue Musik und wirkte als dessen künstlerischer Leiter bis 2000. Paul-Heinz Dittrich war Mitglied der Akademie der Künste Berlin sowie der Sächsischen Akademie der Künste Dresden.

Dittrichs kompositorisches Werk ist ausgesprochen vielschichtig, es überwiegen Kompositionen für Kammermusik, ein lebenslanger Schwerpunkt ist das Einbringen der elektronischen Musik. Seine eigene Internetseite bietet ein Potpourri an Hörbeispielen, angefangen von der Kammermusik III für Bläserquintett (1974) bis zur späten Komposition „Glücklose Engel“ (Heiner Müller) für Sopran und Kammerorchster (1997).

Sein ästhetisches Engagment für neue Musik hat der DDR-Komponist Dittrich, der zeitlebens Johann Sebastian Bach als „das große Vorbild“ ansah (Interview mit Ursula Stürzbecher, 1979), einmal so zusammengefaßt:
„Gesellschaftliche Spiegelungen, so wie ich sie verstehe, bleibe niemals im Detail stecken; es sind allgemeine Phänomene einer Zeit, die über alle Grenzen hinweg wichtig sind, die nur nur von DDR-Bürgern verstanden, sondern von der Menschheit unserer Zeit allgemein aufgenommen werden können.“ (ebd.)

Am 28.12.2020 ist Paul-Heinz Dittrich im Alter von 90 Jahren gestorben.

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