Wer war Paul Dessau? Auch der Komponist von „Lanzelot“!


Szenenfoto aus der Inszenierung von Paul Dessaus Oper „Lanzelot“ im Deutschen Nationaltheater Weimar.
Foto: Candy Welz/ DNT Weimar

Immer wieder hinzuweisen auf die Werke der Komponisten im Osten Deutschlands gehört zu den leitenden Intentionen des Musikkulturvereins Mitteldeutschland. Wie nötig das ist auch im dreißigsten Jahr der politischen Vereinigung, zeigt zum Beispiel der Blick in ein Musiklexikon aus München, zweite Auflage, Paul List Verlag München 1962. In diesem 900-Seiten-„Musikführer“ besprochen die neuen Meisterkomponisten Fortner, Hartmann, Henze, Stockhausen usw., gänzlich ausgeblendet hingegen die weit über hundert Tonkünstler des Ostens – Dessau, Eisler und die anderen Schulbegründer nach ’45 wie selbstverständlich gleich mit. Ein bedauerlicher Einzelfall? Weit gefehlt! Eine kritische Musikgeschichte heute hätte alle Hände voll zu tun, den Kalten Krieg der Systeme auch in ihren Wissenssystemen nachzuweisen und endlich auf den nötigen Korrekturen hin zu einer Neubestimmung der Leistungen von Musik Ost und Musik West zu insistieren, denn das Münchner Lexikon ist alles andere als eine Ausnahme…

ASD

Szenenfoto aus der Inszenierung von Paul Dessaus Oper „Lanzelot“ im Deutschen Nationaltheater Weimar.
Foto: Candy Welz/ DNT Weimar

Umso erfreulicher, wenn Jubiläen hin und wieder auch die historischen Werke selbst zum Klingen bringen und ihre Gültigkeit unter Beweis stellen. Auf dass jeder sich ein eigenes Urteil bilde vom ästhetischen Kunst-Wert der Komponisten in der ehemaligen DDR (nicht „DDR-Komponisten“!), sei hiermit auf die – seit 1972 nicht mehr gespielte – Oper »Lanzelot« von Paul Dessau (1894-1979), Libretto von Heiner Müller, hingewiesen – jetzt zunächst noch zweimal zu erleben im Deutschen Nationaltheater Weimar (Termine: 28.12.19 + 19.01.20).
Für die Koproduktion des Deutschen Nationaltheaters und der Staatskapelle Weimar mit dem Theater Erfurt zeichnet kein Geringerer als Regisseur Peter Konwitschny verantwortlich. Der erste Kapellmeister Dominik Beykirch hatte als musikalischer Leiter der Produktion maßgeblichen Anteil an der Wiederentdeckung dieser Oper und ihres gegenwärtigen Aufführungserfolgs.
Die aktuelle Gesellschaftsparabel in Gestalt einer einzigartigen Ost-Oper – sie sei nicht nur den Liebhabern moderner Musik ans Herz gelegt, sondern allen, die bereit sind zu einer Wahrnehmungsänderung der ‚Ost-Komponisten‘ und ihrer Leistungen.
Wichtiger Hinweis für alle Interessierten: Die Aufführungsserie „Lanzelot“ wird 2020 im Theater Erfurt mit dem Philharmonischen Orchester Erfurt fortgesetzt mit folgenden Terminen: 16. Mai, 22. Mai, 03. Juni, 13. Juni, 21. Juni 2020!

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